Lifestyle Personal

Kopfsache: Copy & Paste

5. März 2015
ninosy_Nori_Spiegelung

Alle Menschen, egal ob Blogger oder nicht, wollen eines sein: individuell. In der Art, wie sie sich kleiden, wie sie wohnen, wie sie essen. Vorbei sind die Zeiten, als man sich in dieselben Uniformen schmiss, eine ähnliche Schrankwand wie die der Nachbarn kaufte und gemeinsam an der Supermarktkasse für das günstige Sonderangebot Schlange stand. Bloß kein Spiegelbild des anderen sein. Stimmt doch. Oder?

Auch wenn im Jahr 2015 die Fahne der Individualität so hoch gehalten wird wie nie, so sehr verlieren wir uns doch bei genauer Betrachtung wieder im Einheitsbrei. „Du hast mich so sehr dazu inspiriert…“ hinterlässt ein kurzes Gefühl von Stolz – und leider auch einen bitteren Beigeschmack. Denn oftmals wird das, was wir als Inspiration sehen, 1:1 abgekupfert und merken es leider selbst nicht einmal.

Vor einigen Tagen traf ich mich mit der großartigen Lina Mallon, um ihren Kleiderschrank etwas zu erleichtern und meinen zu befüllen (das Ergebnis gibt es bald hier zu sehen.) Fangirl-Moment olé olé! Umso schöner, dass unser Gespräch zwar kurz, aber in meinen Augen doch sehr intensiv war, denn wir landeten schnell bei einem Thema, das in meinem Kopf schon lange für Gesprächsstoff sorgt: digitaler Gleichklang. Wir scrollen durch unseren Instagram-Feed und sehen: auf Hochglanz polierte Fotos mit Weiß, Weiß und noch mehr Weiß. Wir klicken uns durch die Blogosphäre und notieren: Chanel Boy Bag neben Macarons neben Duftkerzen. Und das Schlimmste daran: wir setzen überall unser Like darunter. Himmel herrje.

Wieso tun wir das? Weil es ästhetisch ansprechende Bilder sind? Weil wir es mittlerweile gewohnt sind, solche Fotos zu sehen? Und warum keimt in uns der Gedanke auf, es diesen Menschen gleich zu tun? Sicher, diese Bilder bringen Klicks, aber sollte sich nun nicht der Individualist in uns erheben und lautstark seine Empörung herausschreien? Seltsamerweise tut er das nicht. Oder zumindest nur sehr selten. Ich bin selbst schon fluchend durch die zu dunkle Wohnung gelaufen, erfolglos auf der Suche nach dem passenden weißen Unter- und Hintergrund, dem perfekten Licht und natürlich den fancy aussehenden Gegenständen, die es schlussendlich aufs Foto schaffen sollen.

„Mach dein Ding, finde deine Nische.“ Sagt Frau Mallon zu mir. Ich nicke. Schlucke. Und habe doch Angst, dass ich mich nachher so sehr von meinem rothaarigen Girlcrush inspiriert fühle, dass die Grenze zwischen Inspiration und Kopie verschwimmt. Und schlussendlich aufgehoben wird.

Zu viele Blogger gibt es da draußen, tausende sind schon seit Jahren dabei, äußerst erfolgreich. Alles hat man irgendwie, irgendwo schon mal gesehen. Werde ich jetzt selbst zur Copy Cat, weil ich den Traum vom Bloggen wahr werden lassen wollte? Mich endlich mal getraut habe?

Möglicherweise erübrigt sich das „Problem“, wenn ich meinen Blog-Konsum auf ein Minimum reduziere. Was ich nicht woanders gesehen habe, kann ich nicht (unbewusst) nachmachen, oder? Aber wie würde ich sie vermissen, die herrlich erfrischenden Texte von Lina, die sympathischen Videos von Anna, die bezaubernden Outfits von Maddie! Was also tun? Ist es am Ende reine Kopfsache?

Ich halte es mit dem Ratschlag: tu, was du am besten kannst. Schreibe über das, was dich interessiert und nimm dabei kein Blatt vor den Mund. Wenn du Moschino scheiße findest, sag es (ERNSTHAFT?! Teddybären?! Ich hatte auf Shrek getippt…). Wenn du trotz fehlender 90-60-90 Maße einen kurzen Rock tragen möchtest und dich gut damit fühlst, mach es. Wenn du Lust auf das Zusammenstellen von Collagen hast, lass deiner Fantasie freien Lauf (und Collagen macht nun wirklich fast jeder, da gibt’s nix mehr abzugucken).

Die Frage, die dahinter steht, lautet ja eigentlich immer: Mache ich das für mich? Oder für mehr Follower? Will ich nur ein bestimmtes Bild erfüllen? Think about it.

Das Beeren-Frühstück mit Chia-Samen ließ auf meinem Feed bisher noch auf sich warten – ich habe weder Beeren noch Chia-Gedöns im Haus. Das Chanel Täschchen sprengt mein Konto und Macarons mag ich nicht. Aber liken kann ich’s ja mal…

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4 Comments

  • Reply wild-youngster 8. März 2015 at 23:12

    Ich stelle mir auch so oft die Frage: magst du das wirklich oder ist das wieder nur der Einfluss deiner Umwelt? Findest du das wirklich gut, weil du es gut findest oder weil alle es gut finden? Oft kann ich mich einfach nicht entscheiden, was ich will oder meine aber meistens hoffe ich, dass ich mir selbst treu bleiben kann.
    Bei all den Einflüssen der Medienwelt ist es natürlich schwierig, aber auch wenn ich ‚inspiriert‘ werde, mache ich mir trotzdem meine eigenen Gedanken zu dem Thema. Letztendlich sind wir uns alle einfach ähnlich, so ganz ohne kopieren wird es nie gehen, weil es mittlerweile zu viele Einflüsse gibt, aber wenn man weiß was man will und sich selbst kennt, kann man ‚inspiration‘ und eigenes Gedankengut gut vermischen und so etwas Neues kreieren :)

    • Reply NINOSY 9. März 2015 at 14:08

      Lieben Dank für deinen Beitrag! :-) Ich denke auch, es gibt mittlerweile so viele Blogger, alles hat man irgendwie und irgendwo schon mal gesehen, niemand erfindet das Rad gänzlich neu. Aber solange überall die eigene, persönliche Note mitspielt und man Dinge immer wieder hinterfragt, wird man schlussendlich doch irgendwie seinen Weg finden. :-)

      Alles Liebe
      Nori

  • Reply Mona 6. März 2015 at 8:30

    Ich habe über das Thema auch schon viel nachgedacht (juhu ich bin nicht allein) und bin für mich zu dem Schluss gekommen dass es gestaltungspsychologisch einfach eine Erfolgsgarantie zu sein scheint. Es sieht aufgeräumt und einladend aus – irgendwie professionell. So nach Designblog oder Möbelkatalog.
    Und damit hat es für mich den bittersten Beigeschmack, nämlich den, dass es kaum (oder keine) Persönlichkeit hat, ich mich gleichzeitig aber selbst immer wieder dabei erwische, wie ich gern meine Wohnung so einrichten und dekorieren würde. *muss standhaft bleiben*

    • Reply ninosy 6. März 2015 at 10:21

      Liebe Mona,

      da ist sicherlich was Wahres dran: es sieht aufgeräumt, elegant und stilsicher aus. Ich stelle mir dann trotzdem immer die Frage, ob das nun auch 1:1 meinem Geschmack entspricht, oder ob ich gerne HÄTTE, DASS es meinem Geschmack entspricht. Denn wollen wir wirklich, dass unsere Wohnung/unser Leben nach Designblog oder Möbelkatalog aussieht? Oder wollen wir, dass andere, z. B. die Besucher unserer Wohnung, das denken?
      Persönlichkeit ist und bleibt der Schlüssel des Ganzen und wenn die verloren geht, stehen wir vor verschlossener Tür.

      Alles Liebe
      Nori

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