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Kopfsache: Alles eine Frage der Definition – Von Skinny Bitches und Wuchtbrummen

15. Juli 2015
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Seit einiger Zeit habe ich das Gefühl, dass wir uns in puncto Akzeptanz und Körpervielfalt auf erschreckende Weise zurückentwickeln. Sei es das Aufkommen haarsträubender Body Challenges im Netz, das Tuscheln hinter vorgehaltener Hand oder der vernichtende Blick in den eigenen Spiegel: Wir sind so hart zu uns selbst und besonders zu anderen wie schon lange nicht mehr.

Im Zuge der jüngst abgeschlossenen zehnten Staffel von GNTM (ich selbst habe nach der dritten aufgegeben; ich konnte die „Meeeeedchen!“, unsere rheinische Frohnatur a.k.a. Frau Klum und überhaupt das ganze Konzept der Sendung nicht mehr länger ertragen) kam erneut eine Diskussion in Gange, von der ich dachte, nein, eher hoffte, sie könnte langsam ad acta gelegt werden. Doch leider gaben jede Menge junger Mädchen in einer Studie an, dass GNTM eine Mitschuld an ihrer Krankheit trägt: Magersucht.

Der Wunsch nach dem perfekten Körper. Die Definition von perfekt? In diesem Fall sehr schlank. Sehr dünn. Flacher Bauch, lange Beine, schmale Taille, knackiger Po, feste Brüste. Es ist ein Ideal, das viele Mädchen verzweifelt versuchen zu erreichen. Und dabei ihre eigene Gesundheit massiv aufs Spiel setzen. Doch um Magersucht soll es heute, obwohl ich auch dazu bücherweise schreiben könnte, nicht gehen. Sondern um das, was der ganzen Entwicklung vorausgeht und worin ich eines der Hauptprobleme sehe: das Festlegen bestimmter Figurmuster und -formen.

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Wer hat zum Beispiel gemerkt, dass ich in meinem letzten Outfitpost unter den Schlagwörtern den kleinen, aber doch wichtigen Zusatz „plussize“ eingebaut habe? Und zwar zum allerersten Mal. Ich habe mir selbst also eine Definition gegeben. Denn die scheint es in Deutschland, in der Blogger-Welt, überhaupt im strahlenden Mode-Kosmos zu brauchen. Das Wort „Fashionbloggerin“ beschreibt daher mutmaßlich nur diejenigen Mädchen und Frauen, die ihre schlanke Figur in tolle Outfits schmeißen und sie anschließend auf ihren Blogs präsentieren. Und diejenigen, deren Konfektionsgröße mindestens mit einer 4 beginnt? Buchen das Attribut ‚Plus-size’ quasi mit Gründung ihres Blogs automatisch dazu. Und präsentieren demnach ihre Plus-size Looks auf ihren Plus-size Blogs.

Ich frage mich, wieso. Wieso haben wir ALLE den scheinbar unwiderstehlichen Drang, Personen, Dinge, Situationen, Beziehungen (diese Liste ließe sich endlos fortführen) zu klassifizieren? Weshalb wollen wir uns unbedingt in ein uns befriedigendes Raster einordnen? Warum sind wir nicht alle, die über Mode bloggen, einfach „Fashionblogger“, unabhängig von Gewicht und Taillenumfang? Wer nicht fragt, bleibt dumm.

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Ich habe, als Nina und ich den Blog gestartet haben, niemals nur einen Gedanken daran verschwendet, meine Outfits in die Kategorie „plussize“ einzuordnen, obwohl ich das eindeutig bin: ein Plus-size-Mädchen. Damit bin ich nicht immer zufrieden, aber entweder ich akzeptiere mich so, wie ich bin, oder ich ändere etwas daran.

Muss ich mich trotzdem dem gängigen Diktat unterwerfen und, analog der vorherrschenden und bereits erwähnten Definition eines perfekten Körpers, meinen eigenen als ausbaufähig, nicht perfekt, dick, Plus-size betiteln? Denn genau das ist es, was traurigerweise in der Mehrheit der Köpfe verankert ist: Plus-size bedeutet „kein perfekter Körper“. Die Ausnahme. Die liebe Lu hat zu diesem Thema bereits ein tolles Interview bei Edition F gegeben, welches ich euch unbedingt ans Herz legen möchte. LESEN! <3

Was ich eigentlich sagen möchte? Lasst uns aufhören, Menschen sofort nach ihrem Aussehen zu beurteilen und in Kategorien zu werfen. Dick, schlank, zu dürr, stämmig, kurvig, mager, normal – vergesst all das. Diese Klassifizierung und Definition von Körperformen führt doch erst zu der Art von Body Bashing, wie wir es heutzutage haben. Und häufig sind es seltsamerweise Frauen, die andere Frauen beurteilen und in ihre selbsternannten Schön-/Weniger schön-Kategorien einstufen.

Lasst doch die Tischnachbarin das Stück Kuchen genießen, ohne euch darüber Gedanken zu machen, ob sie es a) BEI DER FIGUR nicht danach wieder auskotzt („Die MUSS ja Bulimie haben, so dünn wie die ist!“) oder b) sich BEI DER FIGUR wirklich gut überlegt hat, diese Extra-Zufuhr an Kalorien zu sich zu nehmen („Kein Wunder, von nix kommt nix, die haut sich bestimmt noch ein zweites rein…“) Bei der Figur? Ja genau – wir können es uns gegenseitig nicht recht machen, ein „normal“ gibt es schon lange nicht mehr, nur entweder oder. Skinny Bitches vs. Wuchtbrummen. Einigen wir uns doch darauf, dass wir alle Frauen sind. Oder Fashionbloggerinnen. Oder fremde Sitznachbarinnen in Cafés. Ohne irgendwelche Zusätze und Hintergedanken. Ja?

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8 Comments

  • Reply Anni 16. August 2015 at 16:30

    Liebe Nori,

    ein toller Beitrag! Yes! ;)

    Liebste Sommergrüße aus Berlin,
    Anni

    • Reply Nori 19. August 2015 at 10:44

      Herzlichen Dank liebste Anni! :)
      Kuss nach Berlin!

  • Reply Céline 15. Juli 2015 at 19:17

    Wirklich ein toller Beitrag : ) Das ständige Einordnen, kategorisieren und in Schubladen stecken, engt leider nicht nur andere, sondern einen selbst auch total. Wenn man sich einmal von diesem ganzen Elend los löst, hat man auf einmal unglaublich viel Platz zum Entfalten. Ich wünsche dir viel Spaß beim Spielen mit diesem Platz!
    Liebe Grüße,
    Céline von http://smultronstaellen.blogspot.co.uk

    • Reply NINOSY 16. Juli 2015 at 11:16

      Herzlichen Dank! :) In der Tat, wir sollten versuchen, uns alle frei zu machen von diesem Schubladendruck und den Platz auskosten, der sich dann auf einmal auf tut. Eine schöne Metapher, danke dafür!

  • Reply Petra Biermann 15. Juli 2015 at 17:52

    Sehr guter Artikel. Macht weiter so. Finde gut, dass auch mal darüber gesprochen wird.

  • Reply wordsbyhannii 15. Juli 2015 at 14:41

    Sehr toller Beitrag! :)
    Ich kann dir kur voll und ganz zustimmen. Es wäre sooo angenehm sich nicht andauernd Gedanken machen zu müssen, was der Gegenüber von dir denkt und wie er über das denkt was du gerade isst. :)

    • Reply NINOSY 15. Juli 2015 at 17:43

      Vielen herzlichen Dank! :) Das stimmt. Also fangen wir doch am besten alle bei uns selbst an und machen uns weniger Gedanken über andere und weniger Sorgen über uns. :)

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