Lifestyle Personal

Step out of your comfort zone

17. September 2015
ninosy_kopfsache_comfortzone_header

Mit uns Menschen ist das ja so eine Sache: Wir mögen es gerne gemütlich. Wir kuscheln uns ins durchdesignte Großstadt-Loft (ha!), werfen uns in eine 2 x 2 Meter große Kaschmirdecke, zaubern feinste Haute Cuisine und nennen das Ganze – bevorzugt in den kalten Monaten – Cocooning. Wer wie ich weder 120 qm Industrial Chic mit freistehenden Balken noch flauschigen Überwurf noch überragende Kochkünste sein Eigen nennt, gibt sich mit knapp bemessener 3-Raum-Wohnung, 5 Paar übereinander gezogener Socken und TK-Pizza zufrieden. Gemütlich, sagte ich ja. Problematisch wird es, wenn wir es uns zu cosy machen. Uns in dieser wattigen Wolke der Zufriedenheit zurücklehnen. Wenn die Dinge, die wir vorher taten, um uns nach einem anstrengenden Tag, einer langen Woche, einem nervenaufreibenden Projekt etwas Gutes zu tun, zur Selbstverständlichkeit werden. Schnell rutscht man in eine Art lethargischen Zustand. Die Lieblingsmagazine und -blogs werden nur noch mechanisch abgearbeitet, der Bote vom Lieferdienst hat nach spätestens drei Tagen Entzugserscheinungen und das schier unendliche Filmangebot von Sky, Netflix und Co. wird müde durchgezappt. MOMENT. SCHLUSS DAMIT! So kann das nicht weitergehen. Auch wenn der Herbst dafür prädestiniert erscheint, sich in seinem Schneckenhaus einzurollen, mach ich nicht weiter mit. Es wird Zeit, diesen Zustand zu beenden. Zeit, meine comfort zone zu verlassen.

Probier’s mal mit Gemütlichkeit.

Ich war noch nie ein großer Partymensch. Ich würde einen gemütlichen (da haben wir’s wieder…) Abend mit Freunden jedem Marsch über den Kiez vorziehen. Eine tolle Bar mit ein paar guten Drinks schlägt den verschwitzten und rappelvollen Club um Längen. Mit einem guten Buch kann ich stundenlang in völliger Stille auf dem Sofa verbringen. Und doch… Zieht es mich, zumindest in Gedanken, immer öfter in Situationen, die ich vorher gemieden habe. Nicht, dass ich nun jeden Abend torkelnd auf der Reeperbahn zu beobachten bin, also bitte. Menschenmassen lassen mich immer leicht panisch werden und trotzdem hätte ich mein letztes Hemd dafür gegeben, am vergangenen Wochenende in Berlin beim Lollapalooza dabei sein zu dürfen. (Was im übrigen mein erster Festival-Besuch überhaupt gewesen wäre.) So sehr ich meinen Platz auf der Couch liebe, so sehr habe ich mir im Sommer das eine ums andere Mal gewünscht, nächtelang barfuß am Elbstrand zu tanzen, Glühwürmchen im Planten un Blomen zu suchen und einfach öfter unvernünftig zu sein. Hätte, wäre, wenn. Jetzt ist Herbst.

Meine comfort zone besteht aber nicht nur daraus, sich gemütlich ins heimische Nest zu kuscheln und die Welt da draußen an sich vorbeiziehen zu lassen. Comfort zone bedeutet in meinem Fall auch: Ich bin ein absolutes Gewohnheitstier. Und das geht schon bei den kleinsten Sachen los.

ninosy_kopfsache_comfortzone

Bad habits. And even worse ones.

Ich esse jeden Morgen Müsli, außer am Wochenende. Da kommen zwei Brötchen auf den Tisch, aber nicht mehr, und auch nur die Müslistange sowie der Junggeselle von Bäckerei Junge. Ich habe so viel unbenutzte, wunderschöne Kosmetik zuhause, trage aber grundsätzlich dieselben Farben, dieselbe Mascara, denselben Look. Mein Pony hat sich seit Jahren nicht verändert und wird nur, falls er wieder zu lang geworden ist und ich den Friseurbesuch noch weiter hinauszögere, etwas schräger zur Seite gekämmt. Ich schreibe pedantisch Einkaufslisten, To-Do-Listen, Wunschzettel, Fantasielisten. Und werde unruhig, wenn diese nicht nach meinem nur mir bekannten System abgearbeitet (oder im Fall der exorbitant teuren Wünsche) archiviert werden. Ich habe eine Leidenschaft für Filme, und schaue doch lieber den mir bekannten Schinken noch viermal hintereinander an, als etwas Neues auszuprobieren. Gleiches gilt für meine Spotify Playlist. Die Alltime Favorites laufen rauf und runter, textsicher werde ich trotzdem nicht. Hosen werden bei mir grundsätzlich knöchelfrei getragen. Ich stehe seit Jahren auf dieselben Farben, Schnitte, Muster. Flache Schuhe sind das Größte für mich und Oversize-Pullover eine Offenbarung.

Ja, das alles hat für mich mit Komfort zu tun. Nicht über Neues nachdenken, Altbewährtes und -bekanntes einfach weiterführen. Und doch würde ich gleichzeitig so gerne alles anders machen. („Zwei Seelen wohnen, ach! in meiner Brust…“ – Goethe wusste eben, wie’s läuft.)

Fünf Tage die Woche Überraschungen am Frühstückstisch erleben. Toast, Obstsalat, Rührei, Chia Pudding, das geliebte Müsli. Dafür dürften die Brötchen am Wochenende bleiben. Zu Douglas gehen und richtig auf den Putz hauen. Lippenstifte in Farben kaufen, die ich vorher nur aus der Ferne beäugt habe. Endlich den perfekten Lidstrich lernen. Und mich an Lidschatten heranwagen. Der Friseurin beim nächsten Besuch nicht klar und deutlich mitteilen, dass mein Pony heilig ist, sondern sie einfach mal machen lassen. Wächst doch eh alles nach. Es meinem Freund gleich tun und Listen so lange aus meinem Kopf verbannen, bis die nächste Bundestagswahl ansteht. Öfter auf die „Wer xyz kaufte, kaufte auch…“-Empfehlungen bei Amazon, Sky und Co. hören. Vielleicht ist der Film ja nah dran am von mir geliebten Klassiker. Spotify endlich die Erlaubnis geben, sich mehr personalisierte Daten von mir zu ziehen, um mir atemberaubende Sounderlebnisse zu präsentieren, die mich aus den Socken hauen. Naja. Oder so ähnlich. Knöchelfrei und Skinny Jeans vielleicht mal durch Knöchelfrei und Culottes ersetzen. Oder einfach öfter Kleider tragen. Ohne Querstreifen. Dafür mal was Grünes in den Kleiderschrank hineinbitten. Und die High Heels nicht nur den 1,80 m-Models überlassen, die sie sowieso nicht brauchen.

Welcome to my comfort zone.

Vielleicht ist das auch der Grund, warum es so lange still um mich war. Die Nori, die gerne will, aber nicht so richtig kann. Denn NINOSY bestand in den letzten Wochen aus Texten von Nina und… genau, Nina. Jaja, aus mir wollte einfach keine gescheite Idee fließen. Lieber habe ich es mir mit Laptop, Buch und Decke (ich habe nämlich wohl eine, nur nicht aus Kaschmir, ha!) auf dem Sofa gemütlich gemacht (okay, das ist das letzte Mal, dass ich das Wort verwende) und die kreativen Ergüsse der anderen gelesen. Konsumiert statt produziert. War ja viel bequemer. Und wenn die anderen schon so gute Posts in die Welt entlassen, welche Ideen bleiben mir dann noch? Ganz ehrlich: Ist doch egal. Meine comfort zone zeigt mir nämlich, dass ich Angst habe. Angst davor, etwas Neues auszuprobieren. Angst davor, vielleicht mit einem Look mal nicht so gut anzukommen. Angst davor, die eigenen – und hohen – Erwartungen an einen Abend abseits von Couch und Co. oder an einen gut geschriebenen und interessanten Post nicht erfüllen zu können. Treten wir der Angst doch mal gehörig in den Arsch.

ninosy_kopfsache_comfortzone2

Jetzt seid ihr dran: Wie sieht eure comfort zone, euer Wohlfühlbereich aus? Was würdet ihr gerne viel öfter wagen? Wo solltet ihr mal aus der Routine ausbrechen? Oder seid ihr vielleicht ganz zufrieden, wenn alles nach einem festgelegten Plan läuft? Sagt mir eure Meinung!

PS: Den ersten Schritt raus aus meiner comfort zone habe ich bereits gewagt. Seit knapp einer Woche sind die Haare ab und ich laufe nicht mehr mit den oben zu sehenden Zotteln herum. Knapp 15 cm mussten dran glauben und der fiese Gelbstich ist endlich wieder einem schönen Kupfer gewichen. Auf Facebook und Instagram gab’s bereits eine erste Preview, kommende Woche gibt’s die neue Haarpracht dann in einem neuen Outfitpost zu sehen. Der Pony ist allerdings immer noch heilig.

You Might Also Like

8 Comments

  • Reply Tanja 18. September 2015 at 10:06

    Toller Post, Nori…finde mich doch in vielem Niedergeschriebenen wieder :-) Auch ich kenne diese ‚Comfort Zone‘ nur zu gut und weiss, dass auch die mal vorüber ist und man wagt Neues – einfach so! Vielleicht nicht unbedingt Dinge, die auf unserer persönlichen To-Do-Liste stehen, aber immerhin weg von der Routine. Dein Friseurbesuch war ja schonmal der Anfang und du siehst mit der neuen Frisur bezaubernd aus, steht dir wirklich sehr gut! So long…bleib‘ dran und sei mutig, denn Mut tut gut…oder so ähnlich *lach*
    LG & ein tolles, spannenedes Wochenende gewünscht, Tanja
    P.S. Ich habe doch glatt auch demnächst einen Friseurtermin und lasse der Friseurin meines Vertrauens freie Hand :-)

    • Reply Nori 20. September 2015 at 11:22

      Liebe Tanja,
      freut mich sehr, dass du dich in vielen der Situationen wiederfinden kannst. :) Und herzlichen Dank für das liebe Kompliment! Ich wünsche dir noch einen feinen Sonntag und ein großartiges Ergebnis nach deinem Friseurtermin. <3
      Alles Liebe!

  • Reply Fiona 17. September 2015 at 16:13

    Oh ich hab eben bei Instagram geschaut – die Frisuer sieht klasse aus. Sehr sehr schön:)
    Ganz liebe Grüße, Fiona THEDASHINGRIDER.com

    • Reply Nori 17. September 2015 at 16:37

      <3-lichen Dank liebe Fiona!

  • Reply Tina 17. September 2015 at 10:25

    Deinen Post kann ich exakt so unterschreiben . . . Und ich dachte immer nur mir geht es so . . .

    Lieben Gruß

    • Reply Nori 17. September 2015 at 16:37

      Keine Sorge liebe Tina, da bist du absolut nicht allein. Und ich glaube, da geht es noch ein paar mehr Menschen so wie uns. ;)

  • Reply Jana Bölk 17. September 2015 at 9:56

    Dein Post gefällt mir, wenn auch der nicht zu eurer Blog Beschreibung passt. Du scheinst nicht bis in alle Maße neugierig zu sein und Neues aus Kunst& Mode aufzunehmen, Möglichkeiten auszuschöpfen.
    Es ist nicht nötig den Zeh in jedes Wasser zu dippen, aber …. wie du selbst geschrieben hast.

    Daumen hoch für die tolle neue Frisur und deinen Instagram Account!

    • Reply Nori 17. September 2015 at 10:15

      Liebe Jana,

      vielen Dank, freut mich, dass Post, Frisur und Instagram überzeugen konnten. :) Das mit der Neugierde ist so eine Sache, denn neugierig bin ich bis ins Mark. :) Es mangelt dafür vielleicht öfters mal am Mut, all die neuen Strömungen aus Kunst, Mode etc. nicht nur zu begutachten und sich damit zu beschäftigen, sondern auch umzusetzen. Aber da bin ich ja dran, auch wenn ich meinem Stil und meiner Grundlinie immer irgendwo treu bleiben werde. Aber das ist ja auch per se nichts Schlechtes, oder? Dafür gibt’s hoffentlich von Zeit zu Zeit vermehrt kleine, aber feine Ausbrecher aus der comfort zone. Ich fang mit kleinen Schritten an. :)

      Alles Liebe
      Nori

    Leave a Reply