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Istanbul Travel Diary

2. Dezember 2015
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Wie sicher einige von euch mitbekommen haben, war ich im Oktober in Istanbul. Zusammen mit meinen acht engsten Freundinnen habe ich mich in die Türkei aufgemacht, um die Stadt auf zwei Kontinenten zu erkunden. Und so viel sei schon einmal vorweggenommen: Dieser Urlaub war bisher einer meiner schönsten.

Willkommen in Istanbul: Kulturschock!

Am Samstag gegen 17 Uhr kamen wir in Istanbul am Flughafen an. Die Vermieterin unserer Airbnb-Wohnung hat uns netterweise einen Fahrservice organisiert, welcher uns vom Flughafen direkt zu unserer Unterkunft in der Nähe des Taksim Platzes fuhr. Das Erste, was wir von Istanbul mitbekamen, war also Verkehrschaos. Für die 16 km vom Flughafen zu unserer Wohnung brauchten wir ganze 2 Stunden. Die Infrastruktur Istanbuls ist völlig überlastet, an jeder Kreuzung quetschen sich von allen Seiten Autos in die Spur. Wer abbiegen will hupt, wer vorbei will hupt, wer stehen bleibt hupt, wer bremst hupt, wer genervt ist hupt. Ein Konzert aus Hunderten Autos, die sich durch die engen Straßen drängen.

Als es schon dämmerte und wir eine vierspurige Straße hinauffuhren dann der nächste „Schock“: Im stockenden Verkehr klopfte es auf einmal an der Scheibe unseres Busses. Ein kleines Mädchen drückte wie aus dem Nichts ihre Nase gegen die Scheibe und wies mit dem Finger auf ein paar Süßigkeiten, die eine Freundin auf dem Schoß hatte. Völlig erschrocken starrten wir einander an und wussten nicht so recht, was wir tun sollten. Als es weiter den Hügel hinauf ging, fielen uns dann weitere Straßenkinder auf, die zwischen den vielen Autos auf der Straße an die Fenster der Fahrer liefen. Alle dunkel gekleidet und schwer zu erkennen. Für uns ein ziemlich bedrückender erster Eindruck.

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Die Unterkunft

Die Wohnung haben wir über Airbnb gebucht. Sie lag auf der europäischen Seite, ganz in der Nähe des zentralen Taksim Platzes und des Gezi Parks. Sie war für acht Leute ausgeschrieben und hat auf den Fotos einen guten Eindruck gemacht. In real war sie jedoch etwas kleiner als erhofft, die Ausstattung nicht wirklich für acht Personen ausgelegt und Küche und Bad von Schimmel befallen. Dafür war der Rest der Wohnung sauber und gemütlich und die Vermieterin wirklich sehr freundlich und hilfsbereit. Mein Tipp: Wer über Airbnb bucht, sollte, auch wenn man in Istanbul sehr günstig wohnen kann (in unserm Fall 90€ pro Nacht für eine 3-Zimmer-Wohnung), lieber etwas mehr Geld in die Hand nehmen und so sicher gehen, dass die Wohnung zumindest schimmelfrei ist.

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Sightseeing

Zu sehen gibt es in Istanbul so einiges, unzählige Moscheen, der Topkapı Palast, die Bosporus Brücke usw. Was wir uns alles angeschaut haben und meine Eindrücke habe ich kurz zusammengefasst:

Taksim Platz
Der Taksim Platz überzeugt nicht gerade durch Schönheit und auch der angrenzende Gezi Park ist alles andere als idyllisch, dafür herrscht hier zu jeder Tages- und Nachtzeit Leben. Straßenhändler verkaufen Sesamringe und Kaffee, Jugendliche treffen sich, alte Herren spielen Brettspiele und aus der angrenzenden Einkaufsstraße strömen die Menschen.

Galatabrücke
Die Galatabrücke überquert das Goldene Horn, eine Bucht des Bosporus, zwischen nördlichem und südlichen Teil der europäischen Seite. Die Brücke kann man zu Fuß überqueren und man bekommt so einen tollen Ausblick auf die Stadt und den Bosporus. Ganz typisch sind die vielen Angler, die am Gelände stehen und ihre Ruten ins Wasser schwingen. Unter der Brücke befinden sich einige Fischrestaurants.

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Bosporus Brücke
Anders als die Galatabrücke ist die berühmte erste Bosporus Brücke (denn es gibt mehrere) nicht zu Fuß überquerbar, sondern nur mit dem Auto. Wir konnten den fantastischen Ausblick über den Bosporus und Istanbuls Häuserberge am Tag unserer Abreise bestaunen, als wir mit dem Auto auf die asiatische Seite gefahren sind.

Topkapı Palast Garten
Den Palast haben wir uns entgehen lassen, dafür aber den schönen Garten durchquert, welcher ihn umgibt. Parks und Grünflächen sind in Istanbul selten und meist ungepflegt. So war das bisschen Natur eine willkommene Abwechslung. Zudem hat man, da der Palast auf einem Hügel liegt, von den Cafés am Ende des Parks einen wahnsinnig schönen Ausblick auf den nördlichen Teil der europäischen Seite.

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Hagia Sophia & Sultan Ahmed Moschee (Blaue Moschee)
Die beiden Moscheen, die sich gegenüberliegen, beeindrucken durch ihre Größe, die vielen Kuppeln und Türme. Besichtigt haben wir jedoch nur die Blaue Moschee, da die Hagia Sophia leider geschlossen hatte. Natürlich war uns vorab bewusst, dass wir uns entsprechend verhüllen mussten, um uns das Innere der Moschee anschauen zu dürfen. Direkt am Eingang des dazugehörigen Parks bat uns ein Mann darum, unseren Kopf zu bedecken. Bei 25°C marschierten wir also schwitzend mit großen Schals Richtung Eingang. Wer nichts zum Bedecken des Kopfes, der Schultern und der Beine dabei hatte, bekam an einer Kleiderausgabe die entsprechende Garderobe ausgehändigt. Das bedeutete für einige von uns ein Ganzkörpergewand. Bevor man in die Halle eintrat, entledigte man sich noch seiner Schuhe und trug sie in einer Plastiktüte mit sich, um den dort ausliegenden Teppich nicht zu beschädigen. Im Inneren der Moschee angekommen, erwartete uns prachtvolle Deckenmalerei, welche die meterhohen Kuppeln überzog. Auf einer großen, mit einem braunen Holzgelände abgetrennten Fläche, knieten einige Männer, umringt von den Touristen, und beteten. Für die Frauen gab es einen kleinen abgeschirmten Bereich. Doch trotz der Schönheit und Geschichtsträchtigkeit dieser Moschee wollte ein Gefühl von Beklommenheit nicht weichen. Zum einen fühlten wir uns unwohl unter Kopftuch und Umhang, zum anderen kam es uns falsch vor, die Betenden zu stören. Und ein weiterer und sehr wesentlicher Grund war der unerträgliche Gestank von Käsefüßen, den der Teppich seit Jahrhunderten in sich aufgesogen hatte und verbreitete. Ein Kichern und Naserümpfen konnten wir uns nur schwer verkneifen. So hielten wir uns insgesamt also keine 10 Minuten in der Moschee auf und waren uns einig, dass dies die letzte Moschee unseres Urlaubs sein würde, die wir von innen betrachten würden.

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Die asiatische Seite
Der Teil der Reise, welcher den meisten von uns wohl am besten gefallen hat, war der Trip auf die asiatische Seite Istanbuls. Hier eröffnete sich uns ein ganz anderes Bild der Stadt. Erwartet hatten wir einen eher ursprünglichen, konservativen Lebensstil im Vergleich zur europäischen Seite. Das Gegenteil war der Fall. Die Menschen erschienen uns offener, der Markt war weniger touristisch. Wurden wir auf der europäischen Seite oft beäugt, interessierten sich hier die wenigsten für unsere Mädelsgruppe. Die Stimmung war entspannter, bodenständiger und schien entschleunigt, im Gegensatz zu der sehr konsumorientierten und hektischen europäischen Seite.

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Prinzeninseln
Die Prinzeninseln sind eine Inselgruppe, bestehend aus neun kleinen Inseln kurz vor Istanbul. Fünf von ihnen sind bewohnt und werden mit einer Fähre angefahren. Wir haben uns gegen Abend zur Insel Burgazada aufgemacht, um den Sonnenuntergang von dort zu betrachten. Auf Burgazada angekommen empfing uns direkt ein Rudel Straßenhunde. Diesen Anblick bereits aus Istanbul gewöhnt, machten wir uns auf zur Rückseite der Insel. Die einzigen Fortbewegungsmittel, die auf den Inseln erlaubt sind, sind Fahrräder und Kutschen, doch zu Fuß ist zumindest auf den kleineren Inseln auch alles zu erreichen. Auf unserem Weg begleiteten uns drei der Straßenhunde, die wohl gehofft hatten, dass ein paar der Snacks, die wir zuvor auf einem Mark gekauft hatten, für sie abfielen. Als wir ein kleines Stück der Insel hinter uns hatten, erwartete uns die erste Überraschung: Zwei Pferde, ohne Halfter oder Halter, spazierten wie selbstverständlich an uns vorbei, bis die Hunde sie aufscheuchten und sie in wildem Galopp Richtung Anleger stürmten. Keine zwanzig Meter weiter dann die nächste, jedoch nicht mehr so harmlose Überraschung. Auf einer Anhöhe erwartete uns plötzlich eine Gruppe Hunde. Diese begannen, als wir versuchten an ihnen vorbei zu gehen, laut zu bellen, bis das Bellen irgendwann in Knurren überging. Verunsichert versuchten wir, schnell an der Gruppe vorbei zu kommen, wie es auch unsere Hundebegleitung tat, doch die Gruppe begann uns unter Bellen und Knurren zu verfolgen. Ängstlich und verunsichert wusste keiner so richtig was zu tun sei, bis meine Cousine sich mutig vor die Angreifer stellte und sie durch Brüllen und Stampfen verjagte. Mit diesem Schreck in den Knochen war danach einigen inklusive mir die Lust auf Sonnenuntergang und Abendbrot an einem stillen Plätzchen vergangen. Ich bestand darauf, noch bevor es wieder dunkel wurde zurück zum Anleger zu gehen, wo wir unter Menschen und in Ruhe Abendessen konnten. Die Mädels haben nachgegeben und wir haben trotz dieser unangenehmen Begegnung noch ein paar fantastische Eindrücke sammeln können.

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Essen

In Istanbul gibt es an jeder Ecke etwas zu essen. Straßenhändler verkaufen in ihren Wagen Sesamringe, Hefebrötchen, Kastanien oder Maiskolben. Auf kleinen Tischen werden Miesmuscheln gefüllt mit Reis angeboten und am Wasser gibt es frische leckere Fischbrötchen. Auch die klassischen Dönerspieße sieht man überall. Wir haben meist Kumpir gegessen, eine große Ofenkartoffel gefüllt mit Butter, Käse und dazu nach Wunsch verschiedene Toppings wie Oliven, Couscous usw.

Die wenigen Restaurants, die wir besucht haben, waren leider selten sehr gut und meist überteuert. Zum Glück hat eine meiner Freundinnen einen Tipp bekommen für ein kleines türkisches Restaurant abseits der Touristenmeilen. Dort haben wir einen Nachmittag mit wahnsinnig gutem türkischen Essen und einer sehr herzlichen Gastgeberin namens Nasan verbracht. Ihr Restauran „Mitara Art & Café“ ist ein absoluter Geheimtipp! Wer Lust auf eine nette Unterhaltung hat (Nasan sprich fließend deutsch) erfährt von ihr sicher das eine oder andere Geheimnis über Istanbul.

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Was man aber unbedingt gemacht haben sollte, ist auf der Asiatischen Seite auf dem Markt einzukaufen. Wo man nur hinsieht: Berge an frischen Nahrungsmittel wie Fisch, Brot, Obst und Gemüse. Es duftet nach Gewürzen und Tee. Man kauft mit allen Sinnen ein und kann sich ein köstliches, frisches Mahl zusammenstellen.

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Shopping

İstiklâl Caddesi
In der İstiklâl Caddesi , der Haupteinkaufsstraße direkt am Taksim Platz, sind wie bei uns all die großen Labels wie Mango, H&M und Co. zu finden, aber auch einige einheimische Läden. Die Besonderheit: Die Geschäfte haben bis 22 Uhr geöffnet, einige sogar bis in die Nacht hinein. In den Seitengassen findet man neben Cafés und Bars kleine Geschäfte, in denen sich tolle Souvenirs kaufen lassen.

Der große Basar
Der große Basar ist ein undurchschaubares Labyrinth aus Taschen-, Gewürz- , Teppich- und Souvenirläden, die sich von Gang zu Gang wiederholen. Schmale Gassen führen an den kleinen Läden vorbei, das gesamte Sortiment ist allerdings fast ausschließlich davor aufgebaut, es hängt, liegt oder steht vor dem Laden, genauso wie deren Händler. Diese versuchen die Besucher mit immer denselben Sprüchen zum Kauf zu animieren. Wem bewusst ist, dass zu einem Großteil weder Komplimente, Versprechungen noch Preise und Ware der Händler echt sind, kann vielleicht ein gutes Geschäft machen.

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Was man unbedingt tun sollte:

  • Das Hamam besuchen
  • Den Markt auf der asiatischen Seite besuchen
  • Sich die Skyline bei Nacht anschauen
  • Ein Eis auf die Hand kaufen
  • Handeln
  • Sich den Sonnenuntergang auf den Prinzeninseln ansehen
  • Sich ein Plätzchen am Bosporus suchen und dem abendlichen Gebetsgesang lauschen
  • Türkischen Tee oder Kaffee trinken

Was man unbedingt lassen sollte:

  • Teil einer Hundegang werden
  • Dem Reiseführer alles glauben
  • Tafeln mit Verhaltensregeln missachten
  • Sich auf ein Teppichgeschäft einlassen
  • Den erstgenannten Preis für etwas akzeptieren

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2 Comments

  • Reply Rebecca 3. Dezember 2015 at 10:35

    Super schöner Beitrag! Bekommt man richtig Fernweh! <3

    • Reply Nina 14. Dezember 2015 at 19:28

      Vielen Dank liebe Rebecca,
      das habe ich gehofft ;-)

      Lieber Gruß

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