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Quarterlife Crisis: Erwachsensein nervt.

4. Dezember 2016
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Ein Stopp-Button fürs Leben – das wär’s!

Es gibt Zeiten im Leben, in denen man ohne großen Anlass, aus einer Unzufriedenheit heraus, plötzlich beginnt, alles infrage zu stellen: den Job, das Privatleben, die Zukunftspläne. Eine Zeit, in der einen alles nervt, nichts passt, wie es ist und man am liebsten einen Stoppknopf drücken möchte, um das Leben für einen kurzen Moment anzuhalten. Einmal auf Pause drücken, tief durchatmen, sich umschauen, überlegen, Pro- und Kontralisten schreiben, ein Resümee ziehen und einen Schlachtplan für die nächsten Schritte schmieden. Gäbe es so einen Stoppknopf, müsste man sich keine Sorgen machen, dass das Leben weiterläuft, an einem vorbei läuft. Man würde nicht abgelenkt werden von neuen Dingen. Man hätte diese Zeit nur für sich, keinen Druck von außen. Wann wieder auf Play gedrückt wird, entscheidet man selbst. Leider hat niemand von uns die Möglichkeit mal eben auf Stopp zu klicken, um in aller Ruhe herauszufinden, was gerade nicht gut läuft. Die Welt dreht sich weiter und währenddessen verlieren Menschen wie ich, denen es schwerfällt Dinge zu ändern, viel Zeit.

Quarterlife Crisis

Hello Quarterlife Crisis.

Doch was genau passt da eigentlich gerade nicht? Die Antwort darauf ist gar nicht so leicht zu beantworten und lässt sich nicht an einer Sache festmachen. Es ist eher so eine Art Quarterlife Crisis – und ich stecke mittendrin. Die 25 liegt hinter mir und die 30 kommt bedrohlich nahe. Melancholie macht sich breit und ich frage mich: Wo stehe ich denn gerade und was habe ich überhaupt erreicht in all der Zeit? Im Job wollte ich doch eigentlich schon weiter sein. Die Fältchen unter den Augen lassen sich nicht mehr leugnen, die einzelnen grauen Haare auch nicht. Wo ist der Mann, das Haus, das Auto und die Französische Bulldogge, die ich mir mit 16 für mein 26jähriges Ich vorgestellt habe? Warum ist eine Kleidergröße dazu und nicht davon gegangen? Wann habe ich endlich ein vernünftiges Verhältnis zu meinem Bankkonto? Und was habe ich eigentlich die letzten zwei Jahre getrieben? Plötzlich scheinen oberflächliche Konventionen, ob beruflich oder privat, einen Druck auf mich auszuüben, dem ich sonst so gut standgehalten, beziehungsweise gar nicht für ernst genommen habe.

Besonders kritisch wird es bei dem Thema Aussehen. #bodypositive? Fehlanzeige. Es fällt mir zunehmend schwer, dem vorgegaukelten und perfekten Frauenbild der Werbeindustrie die kalte Schulter zu zeigen und ich erwische mich dabei, wie ich mir für jeden noch so kleinen „Makel“ Punkte von meinem Selbstwertkonto abziehe. Punkte, die ich mir hart erarbeitet habe und nun selbstmitleidig verprasse. Doch nicht nur ich scheine mit mir selbst zu hadern, auch bei Freunden stelle ich einen ähnlichen Wandel fest. Plötzlich plagen meine Freunde Unsicherheiten, die ich vorher nie wahrgenommen habe. Sollten wir mit Mitte/Ende Zwanzig nicht selbstbewusster und -sicherer sein?

Quarterlife Crisis

Hilfe zur Selbsthilfe

Was also tun, wenn man in der Quarterlife Crisis steckt? Job kündigen, Weltreise planen, bei Elitepartner anmelden, einen Personal Trainer engagieren und botoxen – all das wäre mir zu radikal. Ja, vielleicht ist Veränderung der Schlüssel zum Glück, doch ich versuche es erst einmal mit einem Kassensturz, um das Selbstwertkonto nicht weiter zu belasten, sondern es mit festen Werten dort zu belassen, wo es gerade ist. Bedeutet im Klartext: Das Glas wieder halb voll sehen, akzeptieren, dass man nun tatsächlich erwachen geworden ist und dem Selbstmitleid einen kräftigen Tritt verpassen.

Vielleicht ist es gut, sich das vor Augen zu halten, was man hat: Ich bin 26, ich habe eine eigene Wohnung, die ich mein Zuhause nennen kann, einen guten Job, ein fantastisches Hobby (NINOSY!), lebe in einer tollen Stadt. Ich habe hammer Freunde und die großartigste Familie, die man sich vorstellen kann, ich kann einen perfekten Lidstrich, bin mittlerweile hervorragend im Kickern und das alles bei bester Gesundheit. Ich bin eigenständig, frei und unabhängig und mir geht es sehr gut. Schon ist das Glas tatsächlich wieder halb voll.

Wie geht es euch mit der Quarterlife Crisis? Kennt ihr ähnliche Phasen, in denen man an allem zu zweifeln beginnt und am liebsten auf Stopp drücken möchte?

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3 Comments

  • Reply Shirley von live4happiness2day 21. Dezember 2016 at 16:07

    Oh ja, das kenne ich nur zu gut. Und die Idee mit dem Stopknopf ist wirklich großartig – wie schön wäre das, sich einfach mal die Zeit nehmen zu können, die Dinge wirklich zu durchdenken und Entscheidungen zu treffen, ohne dass das Leben einen ablenkt. :) Wäre sofort dabei!
    Ich finde auch, dass so ein ehrlicher Kassensturz einem schnell die Perspektive zurechtrückt, denn wenn man sich selbst gerade bemitleidet und in der Unzufriedenheitsspirale ist, vergisst man allzu schnell, wie gut es einem eigentlich geht. Und manchmal frage ich mich auch, ob denn wirklich alle Lebensbereiche immer tipptopp-zufriedenstellend sein müssen oder ob das eine überzogene Erwartung ist, die unsere Generation sich angeeignet hat. Aber eine gute Antwort habe ich darauf auch noch nicht gefunden…
    Ich wünsche dir auf jeden Fall schöne Weihnachtstage und ‚zwischen den Tagen‘ – wo ja für viele das Alltagsleben auch etwas langsamer wird – vielleicht ein wenig „Stop-Zeit“ für Gedankenspiele und Entscheidungen.

    • Reply Nina 15. Januar 2017 at 19:59

      Liebe Shirley,
      vielen Dank für deinen Kommentar und entschuldige die späte Antwort.
      Du siehst, ich habe mir tatsächlich über die Feiertage mal eine kleine Auszeit gegönnt. ;-)
      Ich sehe das ganz ähnlich wie du, irgendwie scheint unsere Generation immer und in Allem die 100% zu wollen.
      Ein Anspruch, den man gar nicht erfüllen kann und von dem wir uns wohl einfach nicht so sehr stressen lassen sollten…

  • Reply Sonja 4. Dezember 2016 at 10:42

    Sich hinterfragen, Dinge abzuzweigeln ist menschlich und dich gut! Wichtig ist es doch, dass du mit dir selbst zufrieden bist! Sich mit anderen zu vergleichen macht automatisch unglücklich. Ich kann deine Zweifel verstehen, es ist schwer, sich von seinem Umfeld frei zu machen.

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