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Wie ich mich langsam mit meinem Körper versöhne

13. April 2017
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Vor einigen Monaten habe ich euch einen kleinen Einblick in meine Gedankenwelt gegeben und beschrieb den Zustand zwischen Ziellosigkeit und Unzufriedenheit, in dem ich mich zu dieser Zeit befand. Ich steckte in einer Art Sackgasse fest und tat vor allem eins: mit mir selbst hadern. Ich ging mir selbst auf die Nerven. Nach meinem Beitrag, der wie ein kleiner Befreiungsschlag und einmal auskotzen wirkte, beschloss ich, etwas für mich und meinen Körper zu tun. Etwas ganz Einfaches und doch kostete es mich große Überwindung: Ich meldete mich im Fitnessstudio an und begann wieder Sport zu treiben.

Hi Berufswelt, ciao Sport!

Wieder – das heißt nach fast fünf Jahren, ohne regelmäßig Sport getrieben zu haben, obwohl ich meine komplette Jugend durchgehend Sport machte. Als ich noch zu Hause lebte, hieß es dreimal die Woche Fußballtraining. Da mein Vater Co-Trainer und Lauftrainer war, gab es keine Ausreden und so war Sport immer Teil meines Lebens.

Mit dem Auszug und vor allem dem Berufsleben änderte sich das. Fußball hing ich an den Nagel und Laufen ging ich nur noch selten. In der Mittagspause wurde geschlemmt, nach stressigen Tagen in der Agentur Pizza bestellt. So sammelten sich im Laufe der Jahre nicht nur ein paar Kilos an, sondern auch Frust und ein schlechtes Körpergefühl. Ich nahm meinen Körper nur noch als Störenfried und ein Übel wahr, mit dem ich leben musste. Das Laufen brachte mir keinen Spaß mehr und fürs Hometraining besaß ich keine Disziplin. Von der Anmeldung im Fitnessstudio hielten mich Vorurteile und mein innerer Schweinehund lange ab.

Anfang Dezember überkam mich dann der Mut und ich vereinbarte kurzerhand einen Termin für ein Probetraining. Das Training und besonders die Tatsache, dass ich dort alles in meinem eigenen Tempo und ganz allein machen konnte, gefiel mir wahnsinnig gut. Ich meldete mich an und treibe seither wieder zwei- bis dreimal die Woche Sport.

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Hauptsache dünn!

Nachdem ich das für mich gemacht hatte und immer noch mache, änderten sich meine Stimmung, meine Selbstwahrnehmung und Einstellung schlagartig. Ich begann nicht nur langsam meine Muskeln wieder aufzubauen, sondern auch mein Selbstwertgefühl. Mit jeder Trainingseinheit, mit jedem Erhöhen der Gewichte und kleinem Erfolg, versöhnte ich mich mehr mit meinem Körper, was sich auch positiv auf mein Inneres auswirkte.

Mein Ziel anfangs: abnehmen, so schnell es geht, so viel es geht. Die Vorstellung schlank, also wirklich dünn zu sein, hat sich in mein Hirn eingebrannt seit ich denken kann. Ich weiß noch genau, wie ich in der 3. Klasse meine erste Schlaghose bekam und ewig vor dem Spiegel stand und überlegte, ob meine Oberschenkel nicht zu dick dafür seien. Dieses Ideal der schönen und superschlanken Frau wird uns allen von klein auf eingepflanzt. Ein Ideal, das für die meisten unerreichbar ist, die Selbstwahrnehmung manipuliert und alles andere als gesund ist. Wer immer das Gefühl hat, zu dick zu sein, nicht schön genug zu sein, kann kein gutes und gesundes Verhältnis zu seinem Körper haben. Auch ich versuche das immer noch zu lernen.

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Bodytalk

So richtig klick hat es aber erst vor Kurzem gemacht, nachdem ich mich einem Check durch die Körperanalysewaage unterzogen habe. Zur Erklärung: Die Körperanalysewaage kann durch elektrische Impulse den ungefähren Anteil von Fett, Muskelmasse, Knochen, Wasser usw. in deinem Körper ermitteln. Demnach lagen meine Werte im absolut gesunden und für meinen Körperbau normalen Bereich; mehr noch, es war an dem Anteil meiner Muskeln deutlich erkennbar, dass ich viel Sport trieb. Für mich, die sich immer für zu dick hielt, ein völlig neuer Ansatz. So wie ich bin, ist normal, ist gut und gesund.

Und dennoch erklärte ich der netten Dame, die diesen Test mit mir durchführte, dass die Pfunde an Po und Beinen nicht schwinden wollten, obwohl ich viel mehr Sport trieb. Und sie erklärte mir etwas, dass so naheliegend ist und mir so lange nicht in den Kopf gehen wollte: Jeder Mensch ist anders, hat andere Veranlagungen, einen anderen Körperbau, einen anderen Stoffwechsel. Die einen nehmen schnell ab, die anderen eben langsam. Einige sind von Haus aus sehr schlank, andere – wie ich – haben einen kräftigen Körperbau und hartnäckige Fettpolster. Es gibt Menschen mit leichten Knochen und die mit schweren Knochen und die Zahl, die uns die Waage anzeigt, sollte nicht das Maß der Dinge sein.

Diese Erkenntnis brauchte ich, um meine Arme, meinen Po und meine Oberschenkel wieder als Teil von mir zu sehen und zu begreifen, dass so wie ich bin, es total gut ist. Ich habe keine Statur einer Heidi Klum und werde niemals so zierlich wie eine Kate Moss sein und das ist so was von ok!

Daher gehe ich also nicht mehr mit dem Gedanken ins Fitnessstudio, dünn zu werden, sondern um fit zu bleiben. Ich strebe keine unmöglichen Ideale mehr an, sondern einen gesunden und fitten Körper. Diese bewusste Entscheidung und meinen Körper so zu akzeptieren wie er ist, macht mich ziemlich glücklich und wieder Sport zu treiben war der große Auslöser dafür!

Wie geht es euch damit? Was macht ihr, um euch im eigenen Körper wohlzufühlen? Und gelingt es euch, die vielen Schönheitsideale auszublenden?

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6 Comments

  • Reply Anne 13. April 2017 at 14:17

    Haha, ohne Witz – mir ist auf den letzten Bildern echt aufgefallen dass du schlanker und definierter aussiehst. Viel dünner ist dann auch wieder doof weil die Kurven dann flöten gehen und das Gesicht ja auch dünner wird. Ich find es super wie du jetzt bist!

    • Reply Nina 25. April 2017 at 11:30

      Liebe Anne,
      merci, merci! Vielen Dank für das Kompliment, wir sehen uns hoffentlich auch bald offline?!

  • Reply Corinna 13. April 2017 at 11:15

    Ich kenne das Gefühl und es fällt mir schwer, mich „so“ zu akzeptieren. Schade! Dein Artikel trägt dazu bei, das nochmal neu zu überdenken. Danke dafür. Bleib wie du bist – inspirierend, interessant und toll!

    • Reply Nina 25. April 2017 at 11:39

      Liebe Corinna, vielen Dank für deinen lieben und ehrlichen Kommentar! Uns Frauen wird es auch nicht leicht gemacht, bzw. wir machen es uns selbst oft auch nicht sehr leicht. Ich glaube, ich war irgendwann an dem Punkt, an dem ich es satt hatte, mich selbst immer als „nicht gut genug“ zu fühlen. Und ich denke, es ist wichtig, dass wir Frauen wieder ein realistisches und gesundes Selbstbild erlangen. Ich freue mich, wenn mein Beitrag dich vielleicht ein wenig dazu anregt.
      Liebe Grüße und eine schöne Woche für dich!
      Nina

  • Reply Cristina 13. April 2017 at 9:34

    Hello :)
    kenne ich nur zu gut das Gefühl!!! Ich habe auch ein Ideal und bin aktuell weit davon entfernt. Sorry, nicht aktuell… sondern schon eine lange, lange Zeit :(
    Ab Mai gehe ich in ein neues Fitness Studio bei mir direkt um die Ecke (!!!)! Ich setze alles auf diese eine Karte um wieder glücklich und etwas zufriedener mit mir sein zu können.
    Leider habe ich meinen Körper wohl noch nicht so akzeptiert wie er ist und hoffe, dass es wenigstens mit regelmässigem Sport wieder etwas entspannter zugeht in meinem Kopf. Den Kate Moss Körper hätte ich nämlich trotzdem gern ;) ;)

    Alles Liebe und schön, dass du mal über dieses Thema gesprochen hast :)
    LG Cristina

    • Reply Nina 25. April 2017 at 11:45

      Liebe Cristina,
      oh ja, dieses Ideal, das sich da im Kopf festgesetzt hat, kenne ich nur zu gut. Es ist ziemlich hartnäckig und oft auch fast schon quälend.
      Mir hilft der Sport tatsächlich, mich ein wenig davon zu lösen und eigene und realistische Ziele zu definieren. Ich hoffe, du bist happy mit dem neuen Fitnessstudio und freu mich auf ein baldiges Wiedersehen ;-)

      Liebe Grüße
      Nina

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