Personal

146 Tage Leben

30. Juni 2017
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146 Tage. So lange ist es her, seit hier mein letzer Beitrag, geschrieben von meinem eigenen Autoren-Profil, online ging. Diese Zahl schwarz auf weiß zu sehen, lässt den Kloß in meinem Hals noch größer werden. Das schlechte Gewissen ist so groß, die Angst vor dem leeren Blatt (oder in diesem Fall dem WordPress-Dashboard) jedoch noch viel größer. Mit jedem Tag, der nicht am Laptop endete, bereit, auf den Publish-Button zu drücken, fühlte ich mich schlechter. Auch wenn ich Gefahr laufe, hier nur unzusammenhängende Gedankenfetzen aneinanderzureihen, so schulde ich euch doch trotzdem eine Erklärung; eine, die zwar nicht den Anspruch auf Vollständigkeit erhebt, euch aber trotzdem erzählt, was in meinem Leben los war. Euch, den Lesern, die sich hoffentlich nach knapp fünf Monaten nicht aus dem Staub und über alle Berge davon gemacht haben.

5 Monate im Zeitraffer – ein Erklärungsversuch.

In 146 Tagen passiert viel. Oder wenig. Manchmal auch genug. Zumindest, um kurzzeitig den Faden, die Orientierung, den Antrieb zu verlieren. Mein Leben glich in den vergangenen Monaten einer Fahrt in einer Achterbahn. Vielleicht auch neun Fahrten in unterschiedlichen Achterbahnen. Und mindestens drei davon rückwärts. Die Tatsache, dass ich mich aber so lange nicht bei euch gemeldet und quasi bei Null anfänge, vereinfacht die Geschichte allerdings nicht, im Gegenteil: Mir fehlen die Buchstaben, Worte und Sätze. Einfach chronologisch anfangen und mein Leben seit dem 3. Februar von hinten aufrollen? Leichter gesagt als getan.

Im Februar erreichte mich eine Nachricht, die mir den Boden unter den Füßen wegzog. Ich bin noch nie in einem eiskalten See eingebrochen, wo der Kälteschock dafür sorgt, dass die Luftzufuhr knapp und die Panik groß wird – aber genau so fühlte es sich an. Die Zukunft des Blogs? Stand zum damaligen Zeitpunkt in den Sternen. Denn ich musste befürchten, nicht mehr schreiben zu dürfen. Zu sehr darf ich leider nicht ins Detail gehen (oder sollte es auch vielleicht nicht, um keine schlafenden Hunde zu wecken…), aber stellt euch einen Schneider vor, dem ihr Nadel und Faden wegnehmt. Einen Maler, den ihr um Farbe und Pinsel bringt. Eine Gärtnerin ohne ihre Blumensamen und Gießkanne. Exactly.

Option: Kopf in den Sand stecken.

Eine Texterin, ohne die Erlaubnis zu schreiben und mit Worten und Sätzen zu jonglieren. Zu diesem Zeitpunkt wusste ich nicht mehr, ob hemmungsloses Heulen oder lieber wütendes Geschrei die einzig akzeptable Reaktion wäre. Stattdessen flüchtete ich mich in meine heißgeliebte verhasste irgendwie zum Leben dazugehörende und meistgenutzt App: Instagram. Und setzte diesen Post ab:

Ich bekam viele liebe Reaktionen, Aufmunterung von Freunden, Sprachnachrichten und liebevolle WhatsApp-Nachrichten. Und dann ging das lange Warten los… Jede E-Mail, die den Blog betraf und die ich in dieser Zeit im Backoffice beantwortete, jeder Text meines Herzmenschens Nina (die hier in sage und schreibe fünf Monaten die Ehre des Blogs hoch gehalten hat – Ich kann dir nicht oft genug Danke sagen! <3 ), den ich in der Zwischenzeit lektorierte und jede Rückfrage im Bekanntenkreis, warum es eigentlich auf dem Blog gerade nichts von mir zu lesen gibt, knockten mich regelmäßig aus.

Versetzten mir einen tiefen, schmerzenden und monatelang entzündeten Stich. Und so zogen die Tage, Wochen und Monate ins Land. Bis eines Tages – Nina und ich hatten schon nicht mehr dran geglaubt – die schriftliche Bestätigung eintrudelte. Dieser unscheinbare DIN A4-Brief, der einen so zentnerschweren Stein vom Herzen fallen ließ, dass man das Aufschlagen und Zerbersten bis Timbuktu gehört haben muss. Ich durfte weitermachen. Ich atmete auf. Ich atmete ein. Und dann stockte ich. Und die Angst kroch auf mich zu.

Ein Leben auf Stand-by?

Ich hatte die schriftliche Erlaubnis, dies hier, unser Projekt NINOSY, in dem nach wie vor so viel Herzblut, Stolz und (mittlerweile!) Tränen steckt, weiterzuführen. Es gab bzw. gibt ein paar Einschränkungen, ohne die es zwar noch schöner wäre, aber mit denen ich mich für den Moment arrangieren kann. Es gab somit eigentlich nichts mehr, was mich daran hinderte, in die Tasten zu hauen.

Außer mich selbst. Auf einmal stand ich mir im Weg. Meine Gedanken kreisten den ganzen Tag um den Blog, ich hatte meine Themenliste mit Blogposts, die ich gerne noch irgendwann auf den Weg bringen möchte und doch passierte nichts. Machen wir uns nichts vor: Wenn seit mehreren Monaten bedeutend weniger Content auf einem Blog gespielt wird, spiegelt sich das auch in den Zugriffszahlen wider. Same here. Die Zahlen sanken in den Keller, die Leser waren weg und ich verlor den Mut. Wenn keiner mehr hier ist, um dein Life Update zu lesen, wozu schreibst du es dann nieder?

Fotoalbum und Alltagsereignisse.

Also bespielte ich wenigstens fleißig weiter Instagram, mit Bildern tat ich mich in den letzten fünf Monaten leichter als mit Worten. Hier eine Urlaubserinnerung, da ein Wohnungseinblick, seht her, das ist mein Leben. Dass es sich hier natürlich nur um bruchstückhafte Ausschnitte handelt – geschenkt. In Wahrheit ist da so viel mehr passiert: Ich habe die Pille abgesetzt. Ich habe mit Weight Watchers angefangen und bisher 13,4 Kilogramm verabschiedet. Ich habe viele Freundschaften gefestigt, andere verloren. Ich habe Pläne geschmiedet, neue Reisen gebucht und mich beim Anlegen unseres Gartens von Kopf bis Fuß schmutzig gemacht. Manchmal hab ich euch dabei sogar auf Instastories mitgenommen. Manchmal auch nicht.

Und trotzdem merkte ich: Das reicht mir nicht. Ein Schreiberling, der vielleicht ein ganz gutes Auge für Fotografie und schöne Motive hat, bleibt trotzdem ein Schreiberling. Mit Foto-Ambitionen. Ich sagte mir also: Entweder trauerst du dem Blog weiterhin Tag um Tag hinterher, klickst dich stundenlang durch ehemalige Blogposts und mutierst zum mutlosen Trauerkloß – oder du wirfst Sorgen und Co. über Bord, setzt dich endlich auf deinen Hintern und schreibst. Findest die Buchstaben, Wort für Wort. Und vielleicht, vielleicht werden sie verstehen. Und wiederkommen.

Hier bin ich nun also. Nach 146 Tagen. Schön, euch wieder zu sehen.

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10 Comments

  • Reply Amelie 2. Juli 2017 at 15:09

    Ich habe zwar keinen Einblick in die ganzen beschwerlichen Situationen und Ereignisse, vor die das Leben dich gestellt hat, freue mich aber wieder von dir zu lesen! Willkommen zurück! Die Zukunft liegt (wieder) in deinen Händen. :) Also Kopf oben halten und weitermachen. :)

    Liebe Grüße, Amelie

    • Reply Nori 23. Juli 2017 at 14:43

      Liebe Amelie,
      merci für deine aufbauenden Worte!
      Ich freue mich sehr, dass ihr mich alle mit offenen Armen wieder empfangt und ich gelobe ab sofort auch Besserung und hoffe, zusätzlich zu Ninas tollen Artikeln hier wieder mehr von mir hören zu lassen.
      Hab noch einen wunderbaren Sonntag!

  • Reply Agnes Pauline 30. Juni 2017 at 14:06

    Ein Anfang ist gemacht. Willkommen zurück!

  • Reply Dunja 30. Juni 2017 at 13:08

    Hey Nori,
    Schön, dich wieder zu lesen! Manchmal spielt das Leben eben so, wie man es nicht erwartet. Das ist okay, da kann man nicht immer was machen – manchmal bedeutet es, einfach zu warten. Wer weiß, vielleicht bringt diese Art Neuanfang mehr Chancen, als du ihm aktuell zutraust ? :)
    Liebe Grüße Dunja

    • Reply Nori 23. Juli 2017 at 14:42

      Liebe Dunja,
      hab vielen lieben Dank für deine Worte, die mir wirklich Mut machen!
      Ich denke auch – jede Wendung im Leben, ob positiv oder negativ, ist letzten Endes für irgendetwas gut und prägt den weiteren Verlauf unserer Entscheidungen und unseres Alltags. Und mit Sicherheit kommt auch die eine oder andere gute Sache dabei rum. :)
      Herzliche Grüße!

  • Reply Sarah 30. Juni 2017 at 8:34

    Meine Liebe, willkommen zurück!
    Gerade weil ich dein Leben in dieser Zeit sehr nah miterlebt habe, freue ich mich umso mehr, dich auch online wieder erleben zu können.
    Nichtsdestotrotz hat mich deine niedergeschriebe Geschichte noch einmal sehr berührt und mir in Erinnerung gerufen, was für ein Geschenk es ist, sein Leben frei und ohne Einschränkungen von Dritten gestalten zu dürfen.
    Ich drücke dich fest und wünsche dir einen wundervollen Neustart hier auf dem Blog!

    • Reply Nori 23. Juli 2017 at 14:45

      Mein Herz,
      tausend Dank für deine wunderbaren Worte (und die zahlreichen Offline-Gespräche, die ich in der Zeit mit dir führen durfte)!
      Du hast absolut Recht: Die Freiheit, sein Leben so zu gestalten, wie es für einen selbst am besten passt und sich dabei nicht von Dritten hineinreden oder bestimmen zu lassen, ist Gold wert. Das sollten wir uns immer wieder in Erinnerung rufen und es dann umso mehr feiern. :)
      Ganz viel Liebe nach Oldenburg! <3

  • Reply Kyra Ebert 30. Juni 2017 at 8:17

    Nori, so ein schöner Text! Mit deinen ehrlichen Worten und deiner Schreibkunst startet ich nun frohen Mutes in meinen Tag. Wie wunderbar, dass ihr weitermachen dürft!
    Fühl dich gedrückt.

    • Reply Nori 23. Juli 2017 at 14:40

      Liebe Kyra,
      tausend Dank für deine tollen Worte, ich freu mich riesig wenn ich dir den Start in den Tag versüßt habe.
      Ich gelobe auch ab sofort Besserung und hoffe, hier schnellstmöglich wieder die Kurve zu bekommen, damit ihr in Zukunft noch mehr Artikel auf NINOSY findet.
      Ich drück dich und happy Sunday!

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