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Meine Auszeit: „Wie, du machst jetzt gar nichts?“

14. Juli 2017
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Auszeit, gut und schön, aber wann gehst du wieder und wohin?

„Und du machst jetzt gar nichts?“ Seit circa einer Woche lebe ich nun wieder bei meinen Eltern in Nordfriesland auf dem Land. Seit circa einer Woche ist das die Frage, die meinen neuen Alltag hier begleitet. Mit einem fragenden Blick und einem aufgesetzten Lächeln, welches die Verwunderung und Missbilligung dahinter verstecken soll, steht man mir gegenüber.

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Die Antwort auf diese Frage fiel am Anfang dann in in etwa so aus: Ich habe meinen Job gekündigt, bin auf Zeit zurück nach Hause gezogen, wollte den Sommer einmal genießen, mir ohne Druck einen neuen Job in Hamburg suchen, auf den ich wirklich Lust habe und mich intensiver mit dem Bloggen beschäftigen. Doch ich musste schnell feststellen, dass dies keine zufriedenstellende Antwort für mein Gegenüber zu sein scheint und ich eher um eine Rechtfertigung gebeten wurde. Also belasse ich es mittlerweile nur noch bei einem knappen, nordfriesischem „Jo!“, begleitet von einem breiten, für noch mehr Verwunderung sorgenden Lächeln.

 

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Das macht man nicht!

Die Reaktion auf meine bevorstehende Auszeit war in Hamburg durchweg positiv. Ich wurde beglückwünscht, bewundert und sogar beneidet für den Entschluss oder den Mut, sich einfach mal Zeit zu nehmen und die Möglichkeit zu haben, den Sommer auf dem Land zu verbringen. Natürlich plagten mich am Anfang auch Zweifel und Ängste, doch in Gesprächen mit Freunden wurde ich durchweg bestärkt.

Ich stehe voll und ganz hinter meiner Entscheidung und bin glücklich damit. Diese Sicherheit hat sich, nun auf dem Land angekommen, als sehr wichtig herausgestellt. Hier zeigten sich die Reaktionen auf meine Kündigung ganz anders. Ich wurde mit Ängsten wie Langzeitarbeitslosigkeit, Lücke im Lebenslauf, finanzielle Abhängigkeit, den Eltern auf der Tasche liegen und sozialem Abstieg konfrontiert. Ängste, die viele hier haben, die von Generation zu Generation weiter gegeben wurden und hinter denen genau eine Schlussfolgerung steht: Das macht man einfach nicht. Kündigen, ohne etwas Neues zu haben, das macht man einfach nicht! Hab ich aber!

Kulturschock?!

Ich war in der Tat nicht ganz vorbereitet auf diese Art der Begegnung. In meinen acht Jahren Großstadt, in der mit Ausnahme deiner Freunde niemanden interessiert, wer du bist und was du machst, habe ich völlig vergessen, dass auf dem Land andere Spielregeln gelten und dort jeder Mitspracherecht hat. Viele wissen nicht unbedingt meinen Namen, dafür aber, wer meine Eltern sind, dass ich mit Mitte Zwanzig wieder zu Hause lebe, keinen Job mehr habe und irgendwas im Internet mache. Es reicht zumindest, um mich wegen meiner Auszeit zur Rede zu stellen, es der Familie, den Freunden und Nachbarn zu erzählen und sich gemeinsam zu empören. (Ich gebe zu, der Dorfschnack lässt auch mich nicht ganz locker und so langsam kann ich wieder mitreden, wenn über Petersen, Hansen, Mommsen, Karstensen und all die anderen -sens gesprochen wird.)

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Gegen den Wind.

Natürlich sind es nicht nur Bekannte, auch in der Familie ernte ich Kritik für meine Entscheidung. Während meine Eltern mir nicht ganz ohne Anstrengung Gelassenheit entgegenbringen (wofür ich wahnsinnig dankbar bin, denn ich weiß: Auch in ihnen sind eigentlich andere Prinzipien verankert!), äußern sich z. B. meine Tanten ganz offen und stellen klare Fragen, wofür ich ebenfalls dankbar bin und die Sorge dahinter erkenne. Es sind aber eben nicht meine Sorgen und Ängste und es fällt mir schwer, die richtigen Antworten zu finden. Denn die Wahrheit ist nun mal: Ich bin hier aus eigener Entscheidung und die Ungewissheit macht mir keine Angst, sondern gefällt mir.

Für mich ist es ein großer Luxus, mir diese Freiheit und Auszeit nehmen zu können. Ich könnte momentan nicht zufriedener sein und sauge jeden Moment mit der Familie auf. Ich genieße die Zeit in der Natur, atme die frische Nordseeluft ein und lausche. Ich sitze mit dem Laptop auf der Terrasse, pfeile an Blogposts und brainstorme. Ich gehe mit dem Stativ aufs Feld und stelle mich mit der Kamera in den Wind. Ich mache mal gar nichts und habe kein schlechtes Gewissen. Ja, ich weiß nicht was kommt, aber genau dafür habe ich mich entschieden. Und dass was kommt, das steht zumindest für mich außer Frage.

Bluse – H&M | Badeanzug – H&M (ähnlicher hier) | Mom-Jeans – Asos | Mules – Mango

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6 Comments

  • Reply Rieke 14. Juli 2017 at 13:31

    Nina,
    du hast es alles so grandios geschrieben. Ich hatte richtig Kopfkino und habe mich in meinen Gedanken aufs Land zurück gebeamt. Deinen Text habe ich mit einem permanentem Schmunzeln gelesen. Ich kann alles so sehr nachempfinden und finde deine Entscheidung einfach nur grandios. Lass mich dir als waschechte Nordfriesen die in NRW lebt einfach nur sagen: „Et kütt wie et kütt“
    Damit kannst du dem einen oder anderen Nordfriesen sicher den Wind aus den Segeln nehmen 😉
    Hab einfach eine schöne Zeit und genieße in vollen Zügen, denn diese Zeit wird immer in deiner Erinnerung bleiben und die kann dir keiner mehr nehmen.
    Liebste Grüße aus NRW 💕

    • Reply Nina 17. Juli 2017 at 17:09

      Liebe Rieke,
      vielen Dank für deinen Kommentar, dieser Support ist einfach extrem schön zu hören.
      Ich entgegne der Sache nun auch mit viel mehr Gelassenheit und das Wichtigste ist sowieso, dass ich glücklich mit der Entscheidung bin und das bin ich allemal. ;-)

      Liebste Grüße!

  • Reply Sonja 14. Juli 2017 at 11:09

    Ich finde das ziemlich mutig und glaube, hinter all der Engstirnigkeit, die du „im Dorf“ erfährst, steckt auch ein kleinwenig Neid, da man sich selbst auferlegt hat „sowas macht man nicht“. Wer bestimmt denn, was man macht und was nicht?! Wichtig ist, dass du mit der Entscheidung zufrieden bist. Ich finde da großartig!

    • Reply Nina 17. Juli 2017 at 17:15

      Liebe Sonja,
      vielen Dank für dein Feedback. Ich denke, du hast völlig recht, Neid spielt da sicher eine große Rolle und es gibt ja in der Tat viele Menschen, die diese Entscheidung nicht ohne Weiteres treffen können. Ich habe nun aber diese Unabhängigkeit und bin wahnsinnig dankbar das nutzen zu können. Und bei bissigen Kommentaren hilft dann einfach ein dickes Fell. ;-)
      Viele liebe Grüße
      Nina

  • Reply Cristina Junker 14. Juli 2017 at 9:19

    Liebe Nina,

    ich finde deine Entscheidung super und beneide dich um die Zeit, die du nun für dich hast und dieses zwanglose Nichtstun zwischendurch. Man hat doch sonst immer das Gefühl man müsse noch dies und jenes erledigen. Dieses Gefühl einmal nicht zu haben und einfach mal nur zu sein stelle ich mir wunderbar vor!

    Und ich weiss genau wovon du sprichst, wenn du „Kulturschock“ sagst, denn auch ich bin in einer sehr kleinen Stadt aufgewachsen und wenn man da schon etwas gegen den Strom schwimmt fällt man auf. Aber lass dich davon nicht irritieren und gehe deinen Weg. Ich bin sicher er führt dich an grossartige Orte und dorthin wo du sein möchtest <3

    Liebe Grüsse
    Cristina

    • Reply Nina 17. Juli 2017 at 17:20

      Liebe Cristina,
      merci für deine lieben Worte!
      Ich bin auch sooo happy mit der Entscheidung und eure vielen lieben Worte und der Support zeigen mir nur mehr, dass es der richtige Weg für mich ist und ich diese Erfahrung nicht missen wollen würde.

      Das Dorfleben hat neben all den schönen Seiten eben auch manchmal seine kleinen, feinen Nachteile, mit denen ich aber gut umzugehen weiß. ;-)

      Liebste Grüße in die schönste Stadt der Welt!

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