Personal

Sunday Thoughts: Ohne Orientierung

30. Juli 2017
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Da leuchtet sie noch in der Sonne Nizzas, die kupferfarbene Mähne. Moment mal, denken jetzt vielleicht einige, hatte sie nicht ihre Haarfarbe geändert? Hat sie. Es ist jedoch so: Ich vermisse den roten Schopf. Genauso wie meine Inspiration, meinen ausbleibenden Kuss der Muse. Gut, ich gebe zu, die Überleitung war denkbar schlecht, aber die Wahrheit ist: Genauso fühle ich mich auch. Schlecht. Ohne Orientierung. Auf der Stelle tretend. Und ein bisschen verloren in diesem sich immer schneller drehenden Bloggerkosmos.

Stürmische Zeiten.

In meinem Kopf sprudeln unzählige Gedanken, die sich immer mal wieder verknoten und nur schwer zu entwirren sind. Umso mehr hoffe ich, dass ich es schaffe, genau diese halbwegs verständlich aufs digitale Papier zu bringen. In meinem letzten persönlichen Post ging es um meine 146-tägige „Auszeit“ und warum hier kein neuer Content zu lesen war, der aus meiner Feder stammt. Die Rückmeldungen, die ich daraufhin bekam, haben mich extrem aufgebaut, so dass ich an dieser Stelle noch mal ein großes Danke! loswerden möchte. Ihr habt mir den Rücken extrem gestärkt und die Lust am Bloggen neu entfacht. Und ihr fragt euch zurecht: Warum dann wieder ein Beitrag, der mehr nach Mimimi als nach Yeahyeahyeah klingt?

Verliert ein junger Seemann seinen Kompass, dann ist auch seine Orientierung dahin. Ziellos schippert er von Nord nach Süd, in der Hoffnung, irgendwo Land zu sichten und vor Anker gehen zu können. Ein erfahrener Kapitän kennt das Meer wie seine Westentasche, auch ohne die ausschwingende Kompassnadel findet er sich zurecht. Selbst ein Sturm und meterhohe Wellen bringen ihn selten vom Kurs ab. Ich bin mehr so vom Typ junger Seemann, auf unserem Boot NINOSY in dem Ozean unterwegs, der sich Blogosphäre nennt. Die sich ständig weiterentwickelt und zwischendurch mit Influencer-Stürmen und Kennzeichnungsflutwellen überrascht. Vor allem aber: Es sind massig Boote auf diesem Ozean unterwegs. Einige zentnerschwere Tanker, die das Fahrwasser aufwühlen und denen zeitversetzt die kleinen Segler und Motorboote folgen. Große Blogger, kleine Blogger. Und ich – hab meinen Kompass verloren.

Do what they like vs. Do what you love.

Während die einen, teilweise mehrmals täglich, auf Publish klicken, grüble ich Stunden um Stunden vor meiner Themenliste. Und frage mich verzweifelt, welche Art von Content ich in Zukunft gerne häufiger auf NINOSY zeigen möchte. Die Spezialisten, die gibt es bereits. Da sind die Beauty-Gurus, vor denen kein Tiegelchen und kein Töpfchen sicher ist und die regelmäßig mit geballtem Wissen über Inhaltsstoffe, Wirkung und Co. auftrumpfen. Da sind die Fashionistas, deren Kleiderschrank nicht nur begeh-, sondern bewohnbar scheint und an denen wirklich jedes Outfit wie mühelos übergeworfen aussieht. Es gibt die Geschichtenerzählerinnen, die mit Worten verzaubern. Die Videomacherinnen, immer fest mit Kamera, Mikro und Co. verwachsen. Foodies, in deren Vorratskammern ich gerne mal Mäuschen spielen möchte. Interior-Profis, Reiselustige, Fotokünstlerinnen.

Sie alle verdienen meine vollste Bewunderung und meinen täglichen Besuch auf ihren Seiten (hier steht im Übrigen, welche das so sind). Und lassen mich gleichzeitig in eine tiefe Sinnkrise stürzen: Wenn es überall schon das Nonplusultra gibt – was hast du auf deinem kleinen Kutter dann noch zu bieten? Sicher, ich könnte euch zu kryptischen Texten wie diesem noch was Handfestes dazu geben. Outfit-Inspiration zum Beispiel. Meinetwegen so:

Dass die aber herzlich wenig mit dem Text an sich zu tun hat, stört im Zweifel nicht nur euch Leser_innen, sondern vor allem mich. Außerdem: Wer den ganzen Tag im 70er Jahre-Großraumbüro hockt, dem fehlt es an Zeit (und am stets verfügbaren Fotografen), um mal schnell die gängigen Alltagslooks festzuhalten. Die Beautykrone bei uns im Team ist bereits an Nina vergeben – vollkommen zurecht. Im Kochen bin ich eine Niete, auf den gerade losfahrenden YouTube- und Podcast-Zug mag ich (noch) nicht aufspringen. Was also bleibt?

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How do you feel like? Something in between.

Vielleicht sind es die um sich schlagende Professionalisierung von Blogs und der stetige Wunsch nach Wachstum, die mich momentan eher ausknocken als antreiben. Starr vor Angst, wie das Kaninchen vor der Schlange, anstatt einfach mal loszulaufen und zu sehen, wie es sich zu retten gilt. Fragt man mich, welche Art von Blogposts ich bei all meinen Favoriten am liebsten lese, habe ich allerdings recht schnell eine Antwort parat: Wochenrückblicke, Recaps, Weekly Reviews, Tagebuch-Einträge… Wie auch immer man sie nennen will: Es sind die persönlichen Alltagsgeschichten und -erlebnisse, die mich am meisten catchen. Das, was zur Geburtsstunde der Blogs ihren Kern ausmachte. Ich liebe es, ein Gefühl dafür zu bekommen, wie die Person wohl privat so ticken mag (und sehe darin auch den Grund für meine Vorliebe für Instastories). Auch wenn ich weiß, nur das Online-Ich präsentiert zu bekommen: Sie werden alle so viel nahbarer. Ich mag das. Sehr.

 

Und vielleicht ist das am Ende doch die Lücke, die eigentlich keine ist, die ich aber irgendwie gesucht und nun für mich gefunden habe. Vielleicht macht es mich momentan am glücklichsten, einfach ein paar Alltagsschnipsel zu zeigen, ein paar Gedanken zu teilen – egal ob ernster oder fröhlicher Natur – und back to the roots zu gehen. Manchmal kommen dabei vielleicht so wirre Texte wie der heutige dabei rum. Und manchmal möchte ich vielleicht doch mal meine Glücklichmacher in Textilform und einen Einblick in Kosmetiktasche und Hausflur geben.

O wie Ohnmacht. Orientierung. Oh yeah.

Am Ende seid ihr heute also mehr denn je gefragt: Welche Art von Beiträgen lest ihr auf Blogs (auf diesem Blog?) am liebsten? Wo bleibt ihr gerne hängen, was fesselt euch? Welche Themen machen euch am meisten Spaß? Und wo klickt ihr gar nicht erst rein? Vielleicht mögt ihr euch ja ein paar Minuten Zeit nehmen und mir mal eure Gedanken zu dem Thema und euer Feedback in einem Kommentar da lassen. Let’s go get lost ruft es uns immerhin an jeder Ecke, auf Pinterest in großen Handletterings und in Songtexten entgegen. Aber ich will nicht mehr. Ich will Orientierung. Eine Route. Ein Ziel. Schließlich wäre Ankommen zur Abwechslung auch mal ganz schön.

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4 Comments

  • Reply Sabine 30. Juli 2017 at 22:06

    Liebe Nori,
    danke für den Einblick. Ich kann das absolut nachvollziehen – so gut, dass ich deine Schreibpause gar nicht wirklich bemerkt habe, weil ich die letzten Monate so antriebslos und müde war, dass ich nur noch hin und wieder auf meinem eigenen Blog und GANZ selten auf anderen unterwegs war. Klingt egozentrisch, ist es vielleicht auch, aber das Kreieren ist für mich ein so wichtiger Ausgleich, dass ich mich sogar bei Energie- und Themenmangel ein bisschen dazu zwinge, während ich alles andere schleifen lasse.
    Ich saß heute den halben Abend an der Einleitung für einen Artikel, der ein bisschen klingt wie deiner hier – nur noch deutlich holpriger und ungeordneter. Mal sehen, wann ich den hingebogen bekomme – wahrscheinlich erst nächstes Wochenende?
    Was mich persönlich an Blogs fasziniert, sind zwei Dinge die du genannt hast: Persönliche Stories und Fotokunst. Beides sind übrigens Gründe, warum ich dir auf Instagram folge und dich sympathisch und interessant finde :)
    xx

  • Reply Amelie 30. Juli 2017 at 20:53

    Oh ich weiß genau was du bei dieser kleinen Content-Schaffens-Sinnfrage fühlst. Wir alle müssen doch immer wieder feststellen, dass es eigentlich zu jedem Thema jemanden gibt, der im Grunde schon gezeigt oder gesagt hat und unser eigener Mist auch nicht viel besser sein kann. Aber gerade das stimmt nicht, denn was interessiert die Leute die Meinung von den anderen Bloggern, wenn sie doch auf diese Plattform kommen um deine Meinung, deine Fotos und deine Eindrücke zu erfahren. Du fragst uns was wir gerne sehen möchten? Ich möchte sehen was dich interessiert, was dich bewegt und was du für „bloggenswert“ erachtest!Egal ob das ein Outfit vom Wochenende ist, ein schilfgelaufenes Rezept oder einfach nur was du die Woche so erlebt hast. :)

    Liebe Grüße, Amelie

    P. S. Was ich da so klug daher rede trifft natürlich nur auf alle anderen zu. Ich selbst kann mich nicht gänzlich davon überzeugen, dass das alles ist, was meine Leser sehen wollen. Aber ich blogge mittlerweile vor allem aus Freude über den Inhalt, deshalb macht das nichts! :)

  • Reply Sarah 30. Juli 2017 at 19:31

    Meine liebe Nori,
    wie immer ein Text, der mein Herz berührt. Ich kann deine Situation so gut nachfühlen und finde es toll, dass du deine Gedanken mit uns teilst.
    Ich persönlich würde mich über mehr Interior-Posts freuen, weil ich deinen Einrichtungsstil einfach liebe und du so ein perfektes Auge für kleine Details besitzt.

    Fühl dich gedrückt, mein kleiner Seemann!

  • Reply Carla 30. Juli 2017 at 19:06

    Liebe Nori,
    vielen Dank für den schönen Text. Und bitte mehr davon!
    Niemand braucht noch mehr Beauty/Fashion/Food oder Travel Tips. Niemand ist jeden Tag perfekt gestylt, niemand isst jeden Tag geräucherten Quinoa auf Thunfischrelish – niemand ist so perfekt, wie das Internet und seine Macher es uns gerne vormachen. Von daher ist ein bisschen Menschlichkeit in nicht-Perfektion eine schöne Abwechslung.
    Ich denke, jeder kennt es, wenn man auf See seinen Kompass verliert. Bis man ihn wieder gefunden hat, ist es eine schwierige Fahrt. Aber du wirst ihn schon wieder finden und dann auch deine eigene Schreibecke.
    Du kannst schreiben, also nutze das für dich – und bitte nicht dafür, um zu erzählen, wie toll die neue Creme, die neue Bluse oder das neue Olivenöl ist. Und wenn die Suche ein bisschen dauert, irgendwann hast du wieder den richtigen Kurs.
    Liebste Grüße und Küsse, Carla

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