Fashion Lifestyle

Von der Stärke, loslassen zu können a.k.a. das richtige Ausmisten

29. Dezember 2014
ninosy_closetdetox_ausmisten

„Ich habe nichts zum Anziehen… ehrlich… NICHTS…!“

Gequält gucke ich meinen Freund an, der genervt die Augen verdreht und ungeduldig mit den Füßen scharrt, weil wir schon wieder viel zu spät sind. Unseren Freunden werde ich nachher erzählen, die Bahn hätte Verspätung gehabt…

Während er sich Jacke und Schuhe wieder auszieht und sich noch für die zweite Halbzeit des heutigen Bundesliga Top-Spiels wieder aufs Sofa wirft, stehe ich verzweifelt im Bademantel vor meinem Kleiderschrank.

Ich habe gelogen. Natürlich habe ich was zum Anziehen. Sogar ausreichend. Aber eben nicht in diesem Moment, für diesen Anlass, für meine aktuelle Gemütslage. Schließlich hätte ich JETZT gerne dieses Kleid, in das ich mich auf Maddies Blog verliebt habe. Und der Mantel, der letztens im Laden hing und den ich eine halbe Stunde lang anschmachtete, würde dazu ja auch viel besser passen als die ollen Modelle vom letzten Jahr.

Dabei ist es ja so: wer viel hat, sieht wenig. Oder, in altkluger Sprichwort-Manier: man sieht den Wald vor lauter Bäumen nicht. Denn wer immer nur die vorderste Reihe seiner eine Million T-Shirts sieht, vergisst, wie Reihe 2-16 aussehen. Also fasse ich den Entschluss, auszumisten. Bin ich sonst jemand, der sich nicht mal von Magazinen aus dem Jahr 2007 trennen kann, packt mich ein bis zwei Mal regelmäßig im Jahr der Drang, meinen Kleiderschrank von oben bis unten zu entschlacken. Ein Closet Detox, sozusagen.

Also wird alles ausgeräumt und auf dem Bett gestapelt. (Wo kommt all der Kram her?!) Bei der Gelegenheit wird der Schrank direkt mal gesäubert. Und dann geht es los: jedes Kleid, jede Hose, jede Tasche, jede Socke wird einzeln begutachtet. Und in vier Kategorien unterteilt: Behalten, Verkaufen, Spenden, Wegwerfen.

Diese Prozedur kann schon mal gut und gerne ein ganzes Wochenende in Anspruch nehmen; aber mit jedem Kleidungsstück, dass den Weg aus dem Schrank ins luftige Freie geschafft hat, fühle ich mich befreiter, sehe plötzlich wieder Wald statt Bäumen und schöne Pullover statt Kleidermasse. Ich berge wahre Schätzchen aus dem unbezwingbar erscheinenden Kleiderberg und stelle im Kopf schon diverse Outfit-Kombinationen zusammen, die mir vorher nie im Leben eingefallen wären. Einfach, weil die Sachen nicht mehr präsent waren.

Beim letzten Mal habe ich rund 140 Teilen „Lebewohl“ gesagt, einen Großteil davon gespendet und viele Sachen zum Verkauf angeboten. Ein kleiner Teil ist in den Müll gewandert, denn ich habe die Angewohnheit, Lieblingsteile so lange zu tragen, bis nicht mehr wirklich viel davon übrig ist.

Am Ende dieser Closet Detox-Behandlung räume ich mein verbliebenes textiles Hab und Gut fein säuberlich zurück, fühle mich stark und präsentiere meinem Freund stolz wie Oskar den dezimierten Kleiderschrank. Dieses Ausmisten ist ein bisschen so, als würde man mal wieder den Kopf freikriegen. Man lernt das Loslassen. Es ist ein grandioses Gefühl.

Und siehe da: ich habe wieder etwas zum Anziehen. Zumindest zeitweise.

Bildquelle: Pinterest

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8 Comments

  • Reply FashionqueensDiary 29. Dezember 2014 at 19:38

    Kennen wir das nicht alle? ;-)

    • Reply ninosy 29. Dezember 2014 at 20:55

      Zumindest wohl die Mehrheit der weiblichen Schrankbesitzerinnen. ;-)

  • Reply absolutpia 29. Dezember 2014 at 17:24

    Ach ja, dass kenne ich nur zu gut :) Sehr gut erzählt, diese Phase ein bis zwei Mal im Jahr habe ich auch. LG

    • Reply ninosy 29. Dezember 2014 at 20:54

      Ein- bis zweimal im Jahr ist aber auch absolut ausreichend. Wo kämen wir denn dahin, wenn wir unsere ganzen Schätze ständig rausschmeißen würden? ;-) Alles Liebe!

  • Reply Anna 29. Dezember 2014 at 10:19

    Oh ja das kommt mir alles sehr bekannt vor… Gerade bin ich wieder Opfer des Schlussverkaufs geworden :D
    Wie gern hätte ich einen gut geordneten und sortierten Kleiderschrank wie auf den Bildern dort oben. Ein guter Neujahrsvorsatz würd ich sagen!

    • Reply ninosy 29. Dezember 2014 at 20:57

      Liebe Anna,
      das ist sogar ein perfekter Neujahrsvorsatz – ich wünsch dir viel Erfolg dabei! :-)
      Und mein Kleiderschrank ist trotz der regelmäßigen Ausmistungs-Orgien nicht annähernd so hübsch wie die obigen Vorlagen. Aber kommt ja vielleicht noch… irgendwann, nach dem nächsten Sale. ;-)

  • Reply spottlightblog 29. Dezember 2014 at 9:44

    Guter Rat fürs neue Jahr ;-) Sollten wir uns auch mal vornehmen …

    • Reply ninosy 29. Dezember 2014 at 21:00

      Macht das, ihr werdet es nicht bereuen! :-)

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